Dystopie oder Realität? Bottroper Lesung entfacht Debatte über Abtreibungsrechte
Michaele LindnerDystopie oder Realität? Bottroper Lesung entfacht Debatte über Abtreibungsrechte
Am 26. September 2025 fand im Film Forum der VHS Bottrop eine Lesung mit anschließender Diskussion statt – rechtzeitig vor dem internationalen Tag für sichere Abtreibung am 28. September. Die Autorin Nora Burgard-Arp stellte ihren Debütroman „Wir nicht“ vor, der eine dystopische Zukunft entwirft, in der Frauen ihre reproduktiven Rechte aberkannt werden. Die Veranstaltung löste eine lebhafte Debatte über politische Verantwortung und den anhaltenden Kampf um den Zugang zu Abtreibungen in Deutschland aus.
Im Mittelpunkt von Burgard-Arps Roman steht Mathilda, eine zurückhaltende junge Frau, die Konflikten aus dem Weg geht – bis eine ungewollte Schwangerschaft sie zum Handeln zwingt. In einer Welt, in der Abtreibungen unter Strafe stehen, geht sie zu extremen Mitteln über, um die Kontrolle über ihren eigenen Körper zurückzugewinnen. Für die bedrückende Atmosphäre des Buches recherchierte die Autorin intensiv die Sprache rechtsextremer Gruppen.
Die Bottroper Veranstaltung stand im Zeichen des Tages für sichere Abtreibung, einer jährlichen Kampagne, die sichere und legale Abtreibungen als grundlegendes Gesundheitsrecht einfordert. In Deutschland unterliegen Schwangerschaftsabbrüche seit 1871 dem Strafrecht – ein System, das die Gleichstellungsstelle der Stadt Bottrop weiterhin kritisch hinterfragt. Nach der Lesung diskutierten die Teilnehmer:innen, wie individuelles Engagement verhindern kann, dass solche dystopischen Szenarien Wirklichkeit werden.
Burgard-Arp bietet zudem kostenlose Lesungen an Schulen an, vorausgesetzt, Lehrkräfte laden sie ein. Ihr Werk soll Gespräche über körperliche Selbstbestimmung und die Folgen restriktiver Gesetze anregen.
Die Veranstaltung in Bottrop unterstrich die Dringlichkeit einer Reform der deutschen Abtreibungsgesetze, die nach wie vor auf Gesetzgebung aus dem 19. Jahrhundert beruhen. Sowohl der Roman als auch die anschließende Diskussion machten deutlich, wie riskant es ist, im Einsatz für reproduktive Rechte in Gleichgültigkeit zu verfallen. Die Organisator:innen hoffen, dass der Austausch zu weiterem Handeln anregt – noch vor dem nächsten Tag für sichere Abtreibung.






