Warendorfs Stadtrat behält umstrittene Straßennamen aus der NS-Zeit bei
Evi HeuserWarendorfs Stadtrat behält umstrittene Straßennamen aus der NS-Zeit bei
Der Stadtrat von Warendorf hat beschlossen, die Namen von drei Straßen beizubehalten, die mit Persönlichkeiten mit Verbindungen zur NS-Zeit in Verbindung stehen. Die Entscheidung folgt auf monatelange Debatten und eine Empfehlung eines Bürgergremiums, die Straßen umzubenennen. Kritiker werfen dem Rat vor, historische Bedenken zu ignorieren, während dieser sich auf Kosten und die öffentliche Meinung als entscheidende Gründe beruft.
Im Mittelpunkt der Kontroverse standen die Wagenfeldstraße, der Agnes-Miegel-Weg und die Heinrich-Tenhumberg-Straße. Zwei der Straßen ehren Personen, die während des NS-Regimes öffentliche Ämter innehatten, während die dritte nach der Dichterin Agnes Miegel benannt ist, deren Werk mit der NS-Ideologie in Verbindung gebracht wird. Das Bürgergremium hatte den Rat aufgefordert, die Namen zu ändern, doch der Vorschlag stieß von Anfang an auf Widerstand.
Die Mehrheitskoalition, bestehend aus der Christlich Demokratischen Union (CDU) und der Freien Wählergemeinschaft (FWG), blockierte die Umbenennung. Sie argumentierte, dass der Austausch von 30 Straßenschildern die Stadt 5.700 Euro kosten würde – ein Betrag, der angesichts der Haushaltslage als unnötig erachtet wurde. Der Ratsherr André Wenning, der die Fraktion vertritt, verwies zudem auf den starken Widerstand der Anwohner als ausschlaggebenden Faktor.
Alternativvorschläge wie die Anbringung einer Gedenktafel oder die Ergänzung eines Zitats des ortsansässigen Autors Paul Schallück neben dem bestehenden Miegel-Zitat wurden eingebracht. Doch diese Kompromisslösungen fanden keine Unterstützung. Schließlich stimmte der Rat dafür, die Straßennamen unverändert zu lassen und Miegels Zitat auf der Gedenktafel am Rathaus zu belassen.
Reinhold Schoppmann, Mitglied des Bürgerbündnisses, kritisierte das Ergebnis scharf. Er bezeichnete die Entscheidung als vertane Chance, sich auf sinnvolle Weise mit dem historischen Erbe Warendorfs auseinanderzusetzen.
Die drei Straßen bleiben damit vorerst unverändert – ohne zusätzliche Erläuterungen oder Änderungen. Die Entscheidung des Rates beendet die Debatte vorläufig, auch wenn Kritiker weiterhin betonen, dass finanzielle und verwaltungstechnische Argumente ethische Erwägungen in den Hintergrund gedrängt hätten. Ausschlaggebend für die Beibehaltung der Namen waren letztlich die Kosten von 5.700 Euro für neue Schilder und der Widerstand der Anwohner.






