Vonovia fordert radikale Reform der Mietpreisbremse – trotz Rekordgewinnen
Edgar WilmsenVonovia-Chef fordert Reform der Mietpreisbremse - Vonovia fordert radikale Reform der Mietpreisbremse – trotz Rekordgewinnen
Deutschlands größter Wohnungsvermieter Vonovia fordert grundlegende Reform der Mietpreisbremse
Der Vorstandsvorsitzende von Vonovia, Rolf Buch, kritisiert, dass das aktuelle System der Mietpreisbegrenzungen einkommensschwache Mieter nicht ausreichend schütze und die Wohnungsnot sogar verschärfe. Die Forderung nach einer Reform kommt zu einem Zeitpunkt, an dem das Unternehmen steigende Gewinne vermeldet und gleichzeitig ein Wechsel an der Unternehmensspitze bevorsteht.
Die Mietpreisbremse wurde 2015 eingeführt, um den rasanten Anstieg der Mieten in Ballungsräumen zu bremsen. Sie begrenzt neue Mietverträge auf maximal 10 Prozent über dem ortsüblichen Vergleichsmietspiegel. Doch Buch argumentiert, dass die Regelung mittlerweile genau denen schade, die sie eigentlich entlasten solle.
Eigene Zahlen von Vonovia belegen den bundesweiten Mietanstieg: Im ersten Dreivierteljahr 2022 lag die durchschnittliche Kaltmiete des Konzerns bei 8,28 Euro pro Quadratmeter – ein Plus von 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im nationalen Durchschnitt wurden im September 8,11 Euro pro Quadratmeter fällig.
Gleichzeitig hat sich die finanzielle Lage des Unternehmens deutlich verbessert. Der Nettogewinn kletterte im selben Zeitraum auf rund 3,4 Milliarden Euro und drehte damit den Verlust von 592 Millionen Euro aus dem Vorjahr ins Positive. Treiber des Aufschwungs waren höhere Mieteinnahmen, zusätzliche Erlöse aus Dienstleistungen sowie Immobilienverkäufe.
Unter Buchs Führung wuchs Vonovia durch die Übernahme von Konkurrenten wie Gagfah, Buwog und Deutsche Wohnen zu einem Branchenriesen. Nun bereitet er sich auf seinen Abschied zum Jahresende vor. Als Nachfolger hat der Aufsichtsrat Luka Mucic bestimmt, der derzeit als Finanzvorstand bei Vodafone tätig ist und zuvor eine Führungsposition bei SAP innehatte.
Vonovias Vorstoß für eine Reform der Mietpolitik unterstreicht die Spannungen um die Wohnungsmarktregulierung in Deutschland. Das Unternehmen plädiert für eine überarbeitete Mietpreisbremse, die gezielt sozial Schwache unterstützt, gleichzeitig aber marktgerechtere Spielräume zulässt. Mit dem anstehenden Führungswechsel und steigenden Gewinnen dürfte der Konzern die Debatte in den kommenden Monaten weiter prägen.






