Regionalverkehr in Deutschland kämpft mit Finanznot und drohenden Streckenschließungen
Edgar WilmsenRegionalverkehr in Deutschland kämpft mit Finanznot und drohenden Streckenschließungen
Regionalverkehr in Deutschland steht unter wachsendem Finanzdruck
Die regionalen Bahnverbindungen in Deutschland kämpfen mit steigenden Kosten und unzureichender Finanzierung. Private Betreiber haben bereits Strecken gestrichen oder mit Insolvenz gedroht, während Busse durch Mautbefreiungen kostenseitig im Vorteil sind. Ein entscheidendes Gerichtsurteil im kommenden Jahr könnte die Schienenmauten weiter in die Höhe treiben und die Bahnunternehmen zusätzlich belasten.
Die Probleme begannen mit der Umstrukturierung der deutschen Bundes- und Landesbahnen in eine Aktiengesellschaft. Dadurch ging die Verantwortung für den Regionalverkehr auf die Bundesländer über. Seither konnte die Finanzierung nicht mit der Inflation Schritt halten, sodass die Betreiber mit knapperen Budgets auskommen müssen.
Besonders hart trifft es private Unternehmen. Der britische Konzern National Express, der regionale Verbindungen betreibt, strich kürzlich Züge auf der stark frequentierten Strecke Aachen–Hamm mit der Begründung, die Kosten seien nicht mehr tragbar. Das Unternehmen fordert bessere Konditionen für seinen bestehenden Verkehrsvertrag. Bereits 2021 hatte Abellio, eine Tochter der niederländischen Staatsbahn, wegen steigender Ausgaben mit der Insolvenz seiner deutschen Aktivitäten gedroht.
Die Situation ist je nach Verkehrsmittel unterschiedlich. Während Busse keine Maut zahlen und damit klar kostengünstiger sind, wird für jeden Zug auf Bundesstrecken – einschließlich des Regionalverkehrs – eine Infrastrukturgebühr fällig. Zudem profitieren staatliche Unternehmen bei der Beschaffung von Fahrzeugen von günstigeren Finanzierungskonditionen, was private Anbieter zusätzlich benachteiligt.
Ein möglicher Wendepunkt steht Mitte 2026 bevor, wenn der Europäische Gerichtshof (EuGH) darüber entscheidet, ob die deutsche Obergrenze für Trassenentgelte im Regionalverkehr rechtmäßig ist. Sollte die Deckelung fallen, könnten die Schienenmauten stark ansteigen und die Fixkosten der Verkehrsunternehmen weiter erhöhen. Eine positive Nachricht gibt es dennoch: Das Deutschlandticket – ein bundesweites günstiges Nahverkehrsangebot – ist bis 2030 gesichert, wobei ab 2027 inflationsabhängige Preisanpassungen vorgesehen sind.
Die Entscheidung des EuGH im nächsten Jahr wird zeigen, ob die Regionalbahnbetreiber mit noch höheren Kosten rechnen müssen. Ohne Änderungen könnten private Unternehmen weiterhin Strecken streichen oder sich ganz aus dem Markt zurückziehen. Zwar bietet die langfristige Finanzierung des Deutschlandtickets etwas Planungssicherheit, doch die Kostendifferenz zwischen Schiene und Bus bleibt eine Herausforderung für den Sektor.






