Nadav Lapid zieht sich nach Boykott-Druck von Filmfestival zurück – Branche solidarisiert sich
Traudl GertzNadav Lapid zieht sich nach Boykott-Druck von Filmfestival zurück – Branche solidarisiert sich
Der israelische Regisseur Nadav Lapid steht im Zentrum einer wachsenden Kontroverse in Frankreich. Kürzlich zog er sich von einem Filmfestival zurück, nachdem er wegen seiner Staatsangehörigkeit unter Druck geraten war. Der Streit hat seitdem breite Unterstützung aus der Branche erfahren, darunter von prominenten Filmemachern und Schauspielern.
Lapid war ursprünglich als Jurymitglied zum internationalen Filmfestival FID Marseille eingeladen worden. Doch rund zehn Filmemacher zogen ihre Werke aus Protest gegen seine Teilnahme zurück. Daraufhin trat Lapid vollständig zurück und begründete dies mit dem zunehmenden Druck und der Sorge um eine Einschüchterung kultureller Einrichtungen.
Über 350 Branchenvertreter, darunter Natalie Portman, Justine Triet und Jacques Audiard, unterzeichneten einen offenen Brief, in dem sie den Boykott verurteilten. Der Brief warnte, Lapids Rückzug solle als Mahnung dienen, und forderte Dialog statt Ausgrenzung. Boykotte, so die Argumentation, gefährdeten die künstlerische Freiheit und könnten Stimmen zum Schweigen bringen.
Die Tageszeitung Le Monde veröffentlichte zwei separate Stellungnahmen zur Verteidigung Lapids. Eine wurde von bekannten Regisseuren unterzeichnet, die andere von Weggefährten des Filmemachers. Die zweite Erklärung widersprach der Boykott-Begründung mit dem Hinweis, die Einladung eines Künstlers zu einem Festival bedeute nicht automatisch eine Unterstützung seiner Regierung. Die franco-algerische Regisseurin Narimane Mari, die ihren Film zurückzog, wies Vorwürfe der Zensur zurück, betonte jedoch, ihr Protest richte sich gegen ein politisches und kulturelles Modell.
Lapid, ein scharfer Kritiker der Regierung unter Benjamin Netanyahu, lebt seit 2021 in selbstgewähltem Exil in Frankreich. Sein jüngster Film Yes wurde von Variety als schonungslose Abrechnung mit dem israelischen Nationalismus beschrieben.
Der offene Brief und die unterstützenden Stellungnahmen zeigen, wie stark der Widerstand gegen den Boykott in der Filmbranche ist. Lapids Rückzug und die daraus resultierenden Reaktionen verdeutlichen die tiefen Gräben bei der Frage, welche Rolle Politik in kulturellen Veranstaltungen spielen sollte. Die Debatte darüber, ob solche Aktionen die künstlerische Freiheit schützen oder einschränken, dauert an.






