Kulturstreit um HKW: Warum deutsche Künstler das Berliner Haus boykottieren
Traudl GertzKulturstreit um HKW: Warum deutsche Künstler das Berliner Haus boykottieren
Das Haus der Kulturen der Welt (HKW) in Berlin steht im Mittelpunkt einer wachsenden Kontroverse. Die Absage eines Konzerts des schwäbischen Rappers Chefket im vergangenen Oktober löste eine Welle der Empörung aus – deutsche Künstler verweigern seitdem aus Solidarität Auftritte in dem Haus. Die von dem kamerunischen Intendanten Bonaventure Soh Bejeng Ndikung geleitete Institution bleibt eine polarisierende Figur in der deutschen Kulturszene.
Der Streit begann, als Chefket – vom Goethe-Institut zum "Rap-Botschafter" ernannt – seinen Auftritt im HKW kurzfristig absagen musste. Den Ausschlag gab der Druck von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, der sich an einem T-Shirt des Künstlers mit der Aufschrift "Palästina" störte: Das Shirt zeigte arabische Kalligrafie und eine Umrisskarte Israels und war ausgerechnet zum Jahrestag eines Hamas-Angriffs erschienen. Weimer wiegelte später ab und erklärte, der Nahost-Konflikt werde nicht von "mittelmäßigen deutschen Rappern" gelöst.
Die Folgen sind verheerend: Seit der Absage hat kein deutscher Künstler mehr im HKW spielen wollen, das Programm des Hauses steht auf der Kippe. Selbst eine Ausstellung des Satirikers Jan Böhmermann mit dem Titel "Die Möglichkeit des Unvernünftigen" konnte die Spannungen nicht entschärfen oder politische Aufmerksamkeit auf die Einrichtung lenken. Trotz seiner prominenten Lage in der Nähe des Bundeskanzleramts bleibt das HKW von der Bundespolitik weitgehend ignoriert.
Ndikung, der 2023 als Intendant berufen wurde, schrieb Geschichte, als er die erste große deutsche Kultureinrichtung vollständig unter der Leitung von People of Color führte. Doch sein "postkolonialer" Programmansatz stößt in Teilen des deutschen Kulturbetriebs auf scharfe Kritik. Gleichzeitig gastieren im HKW weiterhin internationale Künstler, darunter kürzlich der haitianische Saxophonist Jowee Omicil.
Die Absage von Chefkets Konzert hat das HKW innerhalb der deutschen Kunstszene isoliert. Ohne lokale Künstler, die bereit sind, dort aufzutreten, bleibt die Zukunft des Spielplans ungewiss. Die Debatte offenbart zudem tiefere Gräben bei der Frage kultureller Repräsentation und politischen Einflusses in Berlins Institutionen.






