07 June 2026, 14:19

"Eine Mark mehr!": Wie 20 Frauen 1973 die Lohnpolitik revolutionierten

Wenn Frauen ihre Chefs auf die Knie zwangen

"Eine Mark mehr!": Wie 20 Frauen 1973 die Lohnpolitik revolutionierten

Im August 1973 schrieben Arbeiterinnen des Pierburg-Werks in Neuss Geschichte, als sie einen Streik initiierten, der die Lohnpolitik in ganz Deutschland verändern sollte. Was mit etwa 20 Frauen begann, entwickelte sich schnell zu einer Massenbewegung mit Hunderten von Teilnehmenden. Ihre Forderung war klar: gleicher Lohn für gleiche Arbeit – zusammengefasst im Slogan „Eine Mark mehr!“

Der Streik begann am 13. August, als eine kleine Gruppe von Frauen die Arbeit niederlegte. Die Belegschaft bei Pierburg bestand überwiegend aus Frauen, darunter viele Migrantinnen aus verschiedenen europäischen Ländern. Obwohl sie dieselben Aufgaben wie ihre männlichen Kollegen erledigten, wurden sie nach dem Tarif „leichte Arbeitsgruppe 2“ eingestuft – eine niedrigere Lohnstufe.

Die Unterstützung wuchs rasant. Männliche Kollegen aus dem Werk schlossen sich solidarisch an, was diesen Streik zu einem der ersten in Deutschland machte, bei dem Männer aktiv Frauen unterstützten. Künstler wie Joseph Beuys und Arbeiter aus anderen Städten solidarisierten sich ebenfalls. Unter dem wachsenden Druck sahen sich die Arbeitgeber schließlich gezwungen, Verhandlungen aufzunehmen.

Am letzten Freitag des Streiks bot die Geschäftsführung eine Lohnerhöhung von 53 bis 65 Pfennig an und willigte ein, die Einstufung „leichte Arbeitsgruppe 2“ abzuschaffen. Die Streikenden nahmen das Angebot an und beendeten den Protest auf Augenhöhe. Doch der Erfolg hatte seinen Preis: Die Polizei ging gewaltsam gegen die Streikenden vor, wobei es Berichte über rassistische Übergriffe durch Beamte gab.

Die Auswirkungen reichten weit über Neuss hinaus. Nach dem Streik wurde der Tarif „leichte Arbeitsgruppe 2“ bundesweit abgeschafft, was zu faireren Löhnen für Frauen in vergleichbaren Positionen führte.

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Der Pierburg-Streik erreichte nicht nur höhere Löhne und die Abschaffung diskriminierender Lohnstrukturen. Sein Erbe reichte weit über das Werk hinaus und prägte die Arbeitsmarktpolitik für Frauen in ganz Deutschland. Bis heute gilt der Protest als Meilenstein im Kampf um Gleichberechtigung am Arbeitsplatz.

Quelle