Apotheker kämpft um Existenz nach 87.000-Euro-Rückforderung durch AOK Nordwest
Traudl GertzApotheker kämpft um Existenz nach 87.000-Euro-Rückforderung durch AOK Nordwest
Dr. Christian Fehske, Inhaber der Rathaus-Apotheke in Hagen, sieht sich mit einer Rückforderung von fast 90.000 Euro konfrontiert. Der Streit dreht sich um zwei hochpreisige Rezepte für das Krebsmedikament Idhifa, die an denselben Patienten abgegeben wurden. Die Krankenkasse AOK Nordwest hat die Erstattung in voller Höhe zurückverlangt – mit der Begründung, die Apotheke habe eine „unwirtschaftliche Überversorgung“ mit dem Medikament nicht verhindert.
Ausgelöst wurde der Fall, als Fehske zwei separate Rezepte für das teure Krebstherapeutikum Idhifa an einen Patienten ausgab. Die AOK Nordwest wertete dies im Nachhinein als Überversorgung und forderte die vollständige Erstattungssumme von über 87.000 Euro zurück. Sowohl die Krankenkasse als auch ihre Aufsichtsbehörde verteidigten diese Entscheidung in einer Anhörung des Landtags Nordrhein-Westfalen und erklärten, die Rückforderung sei nach der Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO) vollumfänglich gerechtfertigt.
Fehske hat gegen den Bescheid geklagt und argumentiert, die finanzielle Belastung gefährde die Existenz seiner Apotheke. Der anhaltende Rechtsstreit geht zudem an die Substanz: Fehske gibt zu, dass das Verfahren seine Motivation schwer erschüttert habe.
Unterdessen werden die weiteren Auswirkungen solcher Rückforderungen immer deutlicher. In einem verwandten Fall verlässt eine Pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA) und Pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte (PKA) ihren Job, um in die Rückforderungsabteilung einer Krankenkasse zu wechseln – ein Zeichen für den wachsenden administrativen Aufwand in diesem Bereich.
Wie Fehskes Klage ausgehen wird, bleibt ungewiss. Doch der Fall zeigt die finanziellen Risiken, denen sich Apotheken durch die aktuellen Regelungen ausgesetzt sehen. Sollte die Rückforderung Bestand haben, könnte sein Betrieb die Verluste nur schwer verkraften. Der Konflikt spiegelt zudem die grundsätzlichen Spannungen zwischen Apotheken und Krankenkassen bei der Erstattungspraxis von Medikamenten wider.






