Albaniens Doppelleben: Flamingo-Proteste und riskante Außenpolitik
Albanien, ein kleines Balkanland an der Adria, steht derzeit aus zwei völlig unterschiedlichen Gründen im internationalen Rampenlicht. Während Demonstranten mit rosa Flamingo-Ausschnitten auf einer geschützten Insel für Schlagzeilen sorgten, verkomplizieren die politischen Beziehungen zu den USA und dem Iran die Außenpolitik des Landes.
Das Vjosa-Narta-Delta, ein Rückzugsgebiet für Flamingos, Pelikane und Schildkrötenbrutstätten, wurde 2023 zu Europas erstem Nationalpark für Wildflüsse erklärt. Doch nun steht die Region im Mittelpunkt einer Kontroverse: Nach der angekündigten Wiederwahl Donald Trumps im Jahr 2024 gab Jared Kushner Pläne für ein Milliardenprojekt – ein Luxusresort auf der Insel – bekannt. Die Regierung von Ministerpräsident Edi Rama hatte einem mit Kushner verbundenen Unternehmen bereits den Status eines „strategischen Investors“ eingeräumt, wobei angeblich Steuern erlassen, Ausschreibungen umgangen und Umweltprüfungen ignoriert wurden. Albanische Antikorruptionsbehörden haben inzwischen Ermittlungen zu dem Deal eingeleitet.
Auch Albaniens Außenpolitik sorgt für Aufsehen. Das Land beherbergt Tausende Mitglieder der Volksmudschaheddin (MEK), einer iranischen Exilgruppe, die sich gegen Teheran stellt. Rama unterstützt die MEK öffentlich und wirft dem Iran vor, Proteste und Cyberangriffe zu schüren. Obwohl Albanien im Rahmen seines EU-Beitrittsprozesses die Interessen der Union vertritt, positioniert es sich gleichzeitig an der Seite Israels – etwa durch die Teilnahme an Trumps „Friedensgremium“ und die Entsendung von Friedenssoldaten in den Gazastreifen.
Die EU zeigt sich besorgt über Korruption und die schwache Rechtsstaatlichkeit in Albanien. Brüssel könnte von Ramas Regierung mehr Transparenz und rechtliche Reformen fordern. Die Ermittlungen zu Kushners Projekt und Albaniens wechselnde Bündnisse könnten langfristige Auswirkungen auf das internationale Ansehen des Landes haben.






