Wie der Wunschzettel an das Christkind seit 200 Jahren Familien verbindet
Michaele LindnerBei den Wüsts holt Santa die Wunschliste ab - Wie der Wunschzettel an das Christkind seit 200 Jahren Familien verbindet
Seit Generationen schreiben deutsche Kinder Wunschzettel an das Christkind – eine Tradition, die mehr als 200 Jahre zurückreicht. Diese Briefe, voller Hoffnungen auf Spielzeug und Leckereien, werden oft mit einem Teller Plätzchen verbunden, der über Nacht bereitsteht. Selbst Politiker wie Hendrik Wüst erinnern sich noch an die Vorfreude, mit der sie als Kinder Spielzeugkataloge durchblätterten – und beobachten heute, wie ihre eigenen Kinder die Tradition fortsetzen.
Der Brauch, Wunschlisten an das Christkind zu schicken, entstand um 1800, als Kinder ihren Eltern Briefe mit ihren Weihnachtswünschen schrieben. Mit der Zeit entwickelte sich daraus ein festliches Ritual mit regionalen Besonderheiten in ganz Deutschland.
In Malschwitz etwa besuchen das Christkind und der Weihnachtsmann gemeinsam die Häuser, um die Wunschzettel entgegenzunehmen. In Türkenfeld legen Kinder ihre Briefe unter einen Weihnachtsbaum, um später an derselben Stelle Geschenke vorzufinden. Auf Märkten wie dem Stuttgarter Christkindlesmarkt – seit 1692 eine Institution – oder dem Freiburger Weihnachtsmarkt aus dem 19. Jahrhundert gibt es spezielle Engelspost-Stationen, über die Kinder ihre Wünsche direkt an das Christkind schicken können.
Für Hendrik Wüst, heute ein bekannter Politiker, ist die Tradition mit persönlichen Erinnerungen verbunden. Als Kind kreiste er in Katalogen die gewünschten Spielsachen ein und träumte von Geschenken wie dem Dreirad, das er einst erhielt. Heute legt seine Tochter ihren eigenen Wunschzettel neben die Plätzchen, die das Christkind – nicht ohne ein paar probierende Bissen – mitnimmt. Selbst seine Frau spielt eine Rolle: Oft weiß sie längst, welche Geschenke er sich wünscht, bevor er es selbst ahnt.
Der Wunschzettel-Brauch bleibt ein zentraler Bestandteil der deutschen Weihnachtsfeiern. Ob handgeschriebene Briefe oder Postkästen auf dem Weihnachtsmarkt – die Tradition verbindet Familien und Gemeinden Jahr für Jahr in der Vorweihnachtszeit. Für viele, wie Hendrik Wüst, schafft sie eine Brücke zwischen kindlicher Nostalgie und der Freude, das Erbe an die nächste Generation weiterzugeben.






