27 March 2026, 10:23

Vinge/Müllers radikales Peer Gynt rockt die Volksbühne – auf acht Stunden gekürzt

Offenes Buch mit dem Titel "The Theatre: A Monthly Review of the Drama, Music, and the Fine Arts" und sichtbarem Text sowie einem Logo auf der Seite.

Vinge/Müllers radikales Peer Gynt rockt die Volksbühne – auf acht Stunden gekürzt

Das norwegisch-deutsche Theaterduo Vinge/Müller eröffnet die neue Spielzeit an der Berliner Volksbühne mit ihrer radikalen Adaption von Peer Gynt. Ursprünglich auf fast zwei volle Tage angelegt, wurde die Aufführung aufgrund strenger Sicherheitsvorschriften und drastischer Kulturetatskürzungen auf acht Stunden gekürzt. Bekannt für ihre unberechenbaren und immersiven Inszenierungen, kündigten die beiden an, dass dies ihre letzte Übergangs Spielzeit am Haus sein wird.

Vinge und Müller machten erstmals mit ihrem mutigen, grenzenüberschreitenden Theater auf sich aufmerksam. Einmal sperrten sie das Publikum sogar aus dem Saal aus und ließen es erst zu einer späteren Vorstellung hinein – ganz im Sinne ihrer unvorhersehbaren Herangehensweise. Ihr jüngstes Werk, Peer Gynt, sollte ursprünglich 48 Stunden dauern: ein Marathon aus brutaler Gewalt, toxischer Männlichkeit und jugendlichem Aufruhr. Doch finanzielle Zwänge und Arbeitsschutzbestimmungen zwangen sie, die Inszenierung auf acht Stunden zu verdichten – deutlich kürzer als ursprünglich geplant.

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Die aufwendigen Bühnenbilder, gestaltet von Ida Müller, brachten ihr den Hein-Heckroth-Bühnenbildpreis ein. Vegard Vinge hingegen übernimmt die Rolle des Künstler-Pfaus, der sich durch ein chaotisches Gemisch aus Gemälden kämpft und von der Technikkonsole aus für Störungen sorgt. Zuvor hatten die beiden bereits einen temporären Spielort in Berlin-Reinickendorf betrieben, wo keine zwei Aufführungen je gleich waren.

Nach dem Tod Frank Castorfs war im Gespräch, ob Vinge und Müller die Volksbühne dauerhaft leiten sollten. Doch die massiven Kulturetatskürzungen veranlassten sie, das Angebot abzulehnen. Stattdessen wird Matthias Lilienthal 2026 die Intendanz übernehmen und beendet damit ihre interimistische Direktion.

Das gekürzte Peer Gynt läuft nun über die maximal zulässige Dauer laut Sicherheitsvorgaben. Trotz der Einschnitte bleibt die Produktion ein prägender Moment in Vinge/Müllers Amtszeit an der Volksbühne. Ihr Abschied überlässt die künstlerische Zukunft des Hauses Lilienthal – während ihr letztes Werk so intensiv und kompromisslos ausfällt, wie man es von ihrem Ruf kennt.

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