26 March 2026, 12:25

"Sancta" an der Stuttgarter Staatsoper: Schock, Ekstase und 18 Notfälle bei der Premiere

Plakat für das Théâtre de l'Opéra in Paris, Frankreich, das eine Frau in einem weißen Kleid mit einem blauen Schultertuch zeigt, deren Haar zu einem Knoten gebunden ist, vor einem tiefblauen Hintergrund mit Sternen und schwarzer Schrift, die 'Theater der Oper' lautet.

"Sancta" an der Stuttgarter Staatsoper: Schock, Ekstase und 18 Notfälle bei der Premiere

Eine radikale Neuinszenierung an der Stuttgarter Staatsoper sorgt für Faszination und Kontroversen.Sancta, inszeniert von Florentina Holzinger, verbindet katholische Liturgie mit Nacktheit, Schmerz und Ekstase – und stellt damit traditionelle Vorstellungen religiöser Kunst infrage. Bei der Premiere kam es zu 18 medizinischen Vorfällen unter den Zuschauern, was die intensive Wirkung der Produktion unterstreicht.

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Die Idee zu Sancta geht auf Paul Hindemiths Sancta Susanna zurück, eine 1921 wegen angeblicher Gotteslästerung abgelehnte Oper. Holzinger interpretiert das Werk neu, indem sie es mit Elementen der katholischen Messe, Animationen und extremer körperlicher Expression verschmilzt. Ihr mutiger, in der Performance-Kunst verwurzelter Ansatz sprengt die Grenzen klassischer Oper bei Weitem – anders als frühere Projekte wie Der Rote Wal.

Marit Strindlund, die Hauptdarstellerin der Produktion, entdeckte Holzingers Arbeit erstmals bei Ophelia's Got Talent in Berlin. Beeindruckt von deren roher Kreativität, folgte sie später einer Einladung des Stuttgarter Opernintendanten Viktor Schoner, an Sancta mitzuwirken. Der Probenprozess erforderte eine Anpassung an Holzingers unkonventionelle Methoden, darunter provokante Bildsprache und experimentelle Bühnentechniken.

Die Schockwirkung der Premiere war unübersehbar: Achtzehn Zuschauer mussten ärztlich versorgt werden – ein seltenes Ereignis im Theaterbetrieb. Gerade wegen – oder vielleicht auch trotz – dieser Intensität stößt die Inszenierung auf großes Interesse. Während die Vorstellungen vom 3. bis 5. Oktober noch Karten verfügbar haben, sind die Termine am 1. und 2. November bereits ausverkauft.

Sancta bleibt ein Diskussionsstoff über Kunst, Religion und die Grenzen der Performance. Die Mischung aus sakralem Ritual und radikaler Ausdrucksform spaltet das Publikum, festigt aber gleichzeitig den Ruf der Produktion als Meilenstein. Die anstehenden Aufführungen an der Stuttgarter Staatsoper werden zeigen, ob die Kontroverse die öffentliche Wahrnehmung prägt – oder verändern wird.

Quelle