Paderborn streicht Kardinal-Jaeger-Straße nach Missbrauchsstudie aus dem Stadtbild
Traudl GertzPaderborn streicht Kardinal-Jaeger-Straße nach Missbrauchsstudie aus dem Stadtbild
Eine Straße in Paderborn, die nach dem ehemaligen katholischen Kardinal Lorenz Jaeger benannt ist, soll umbenannt werden. Anlass ist eine aktuelle Missbrauchsstudie, die seine Rolle bei der Vertuschung von Fällen sexuellen Kindesmissbrauchs aufgedeckt hat. Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund wachsenden Drucks von politischen Parteien und lokalen Gemeinschaften in ganz Nordrhein-Westfalen.
Bürgermeister Stefan-Oliver Strate (CDU) gab die Entscheidung bekannt und leitete damit eine breitere Debatte über Jaegers Erbe in der Region ein. Lorenz Jaeger war von 1941 bis 1973 Erzbischof von Paderborn. Eine Mitte März veröffentlichte Studie belegte seine Beteiligung – gemeinsam mit seinem Nachfolger – an der Vertuschung von Missbrauchsfällen innerhalb des Bistums. Die Erkenntnisse führten zu Forderungen, Straßen mit seinem Namen umzubenennen.
In Arnsberg setzen sich sowohl SPD als auch CDU gemeinsam für die Umbenennung der Kardinal-Jaeger-Straße in Neheim ein. Der örtliche CDU-Verband, der den Kardinal zuvor unterstützt hatte, distanziert sich nun von ihm. Eine öffentliche Versammlung am 20. April soll den Anwohnern die Möglichkeit geben, neue Namensvorschläge einzubringen.
Ähnliche Diskussionen gibt es in Werl und Wenden, wo Straßen zu Ehren Jaegers ebenfalls umbenannt werden könnten. Allerdings könnten die Bewohner dieser Gemeinden auf bürokratische Hürden stoßen, falls das Umbenennungsverfahren voranschreitet. Olpe hat bereits gehandelt und sein katholisches Jugendzentrum 2023 umbenannt.
Der SPD-Antrag hebt Jaegers dokumentiertes Fehlverhalten in Missbrauchsfällen hervor. Beide Parteien sind sich einig, die örtliche Bevölkerung in die Auswahl alternativer Namen einzubinden, um eine breite öffentliche Teilhabe an der Entscheidung zu gewährleisten. Die Umbenennung der Kardinal-Jaeger-Straße in Paderborn wird nun umgesetzt, andere Städte werden voraussichtlich folgen. Öffentliche Versammlungen und die Mitwirkung der Bürger werden die neuen Straßennamen prägen. Die Änderungen spiegeln ein umfassenderes Bemühen wider, das historische Versagen beim Schutz von Kindern vor Missbrauch innerhalb der Kirche aufzuarbeiten.






