10 May 2026, 14:22

Nocker und Happel: Zwei starke Stimmen prägen Wiens Theaterlandschaft

Plakat für das Theater Sarah Bernhardt von 1909-1910, das eine Gruppe von Frauen in der Mitte zeigt, mit Texten, die das Theater und seine Schauspieler beschreiben.

Nocker und Happel: Zwei starke Stimmen prägen Wiens Theaterlandschaft

Zwei prägende Persönlichkeiten der Wiener Theaterszene, Paula Nocker und Maria Happel, haben ihre unterschiedlichen Ansichten zu Kritik, Regiearbeit und der sich wandelnden Kunstlandschaft geteilt. Beide Künstlerinnen sind derzeit in große Produktionen vertieft – Nocker in den Proben zu Mythen des Alltags, während Happel die österreichische Erstaufführung von Der heilige Falstaff am Burgtheater vorbereitet.

Maria Happel, die mehr als die Hälfte ihres Lebens in Wien verbracht hat, fühlt sich tief mit dem kulturellen Geist der Stadt verbunden. Sie bezeichnet sich selbst als Spielleiterin – eine Spielleiterin –, die auf Zusammenarbeit und gemeinsame Absprachen innerhalb des Ensembles setzt. Dieser Ansatz steht im Kontrast zu ihrer Rolle in Der heilige Falstaff, wo sie für die kühne Darstellung ihrer Figur sogar ein Tattoo trägt. Die Produktion, inspiriert von Shakespeares Heinrich IV., feiert unter ihrer Regie nun ihre Österreich-Premiere.

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Happels Karriere war unter anderem von Auftritten mit ihren Töchtern geprägt, etwa 2010 in Der Weg ins Freie. Doch ihre Amtszeit als Leiterin des Reinhardt Seminars blieb nicht ohne Kontroversen. Sie gab zu, verletzt gewesen zu sein von Vorwürfen, sie habe sich zu wenig um die Anliegen der Studierenden gekümmert – insbesondere zu progressiven Themen –, bleibt aber ihrer künstlerischen Vision treu.

Paula Nocker hingegen produziert Mythen des Alltags in Koproduktion mit dem Volkstheater und den Wiener Festwochen. Sie schätzt Kritik in jeder Form, solange sie respektvoll bleibt – eine Haltung, die gelegentlich mit Happels Vorliebe für positives Feedback kollidiert. Trotz ihrer Unterschiede würdigen beide Frauen die Ehrlichkeit der anderen, selbst wenn sie schmerzt. Nocker unterstützt zudem die #MeToo-Bewegung und sieht sie als notwendigen Motor für anhaltenden Wandel, während Happel einräumt, dass die Fortschritte noch hinter den gemeinsamen Zielen zurückbleiben.

Mit der bevorstehenden Premiere ihrer jüngsten Werke prägen Nocker und Happel die Wiener Theaterszene auf je eigene Weise weiter. Ihre gegensätzlichen Perspektiven auf Kritik, Führung und gesellschaftliche Bewegungen spiegeln die größeren Debatten innerhalb der Kunst wider. Beide Produktionen – Mythen des Alltags und Der heilige Falstaff – werden bei ihrer Premiere zweifellos Aufmerksamkeit erregen.

Quelle