16 March 2026, 12:29

Kunstakademie Düsseldorf: Streit um Meinungsfreiheit und politische Einmischung entbrannt

Eine Wand mit mutigen, schwarzen Graffiti, die "Freiheit und Demokratie" lesen, in einem Raum, mit einem Geländer unten und einem Gebäude mit Fenstern im Hintergrund.

Offener Brief warnt vor politischem Druck auf Universitäten - Kunstakademie Düsseldorf: Streit um Meinungsfreiheit und politische Einmischung entbrannt

Ein Streit an der Düsseldorfer Kunstakademie hat eine breitere Debatte über politische Einmischung in deutsche Universitäten und Kultureinrichtungen ausgelöst. Über 1.100 Wissenschaftler:innen, Künstler:innen und Fachleute haben einen offenen Brief unterzeichnet, der die akademische Freiheit verteidigt, nachdem die Institution für die Einladung der palästinensischen Künstlerin Basma al-Sharif kritisiert worden war.

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Der Brief unterstützt Donatella Fioretti, die Rektorin der Akademie, die unter Druck geraten ist, weil sie im Januar 2026 eine Veranstaltung mit al-Sharif ausrichtete.

Die Kontroverse begann, als al-Sharif, eine Unterstützerin der Strike-Germany-Bewegung, an der Kunstakademie Düsseldorf sprechen sollte. Kritiker:innen warfen ihr Antisemitismus vor und forderten die Absage der Veranstaltung. Nach einer rechtlichen Prüfung wurden ihre Äußerungen jedoch als von der Meinungsfreiheit gedeckt und nicht strafrechtlich relevant eingestuft.

Die Unterzeichner:innen – darunter der Fotograf Wolfgang Tillmans, die Philosophin Susan Neiman und die Historikerin Barbara Stollberg-Rilinger – argumentieren, dass der politische Druck auf Fioretti ein gefährliches Präzedenzfall schafft. Sie warnen, dass solche Einmischungen die verfassungsmäßigen Garantien der Meinungs- und Kunstfreiheit nach Artikel 5 des Grundgesetzes bedrohen.

Der Brief kritisiert zudem eine Formulierung des Wissenschaftsausschusses des nordrhein-westfälischen Landtags, der von einem "Mantel" der künstlerischen und akademischen Freiheit sprach. Die Unterzeichner:innen betonen, dass die Freiheit von Kunst, Wissenschaft und Lehre auch kontroverse Standpunkte einschließen muss.

Fioretti soll nun am kommenden Mittwoch vor einer Sonderitzung des Ausschusses für Kultur und Medien des Landtags aussagen. Die Initiator:innen des Briefs fordern die Abgeordneten auf, sich erneut klar gegen Zensur auszusprechen und die verfassungsmäßigen Freiheiten zu verteidigen.

Der Konflikt verdeutlicht die anhaltenden Spannungen zwischen freier Meinungsäußerung und politischer Aufsicht in deutschen Kultureinrichtungen. Fiorettis anstehende Aussage wird voraussichtlich die weitere Diskussion darüber prägen, wie Universitäten und Kunstakademien mit umstrittenen Redner:innen umgehen. Der offene Brief unterstreicht die weit verbreitete Sorge vor möglichen Einschränkungen der akademischen und künstlerischen Unabhängigkeit.

Quelle