14 March 2026, 14:25

Ist Soul-Sängerin Sienna Rose nur eine KI-Erfindung mit Millionen-Fans?

Ein Mann im Anzug und Krawatte spricht vor einer Wand in ein Mikrofon, wahrscheinlich in Reaktion auf Nachrichten über ein Regierungsgesetz, das das Internet verbieten soll.

AI-Sängerin: Wer ist Sienna Rose - und warum sucht das Internet nach ihr? - Ist Soul-Sängerin Sienna Rose nur eine KI-Erfindung mit Millionen-Fans?

Beliebte Soul-Sängerin auf Spotify entpuppt sich vermutlich als KI-Kreation

Die Soul-Sängerin Sienna Rose, die auf Spotify fast zwei Millionen monatliche Hörer verzeichnet, steht im Verdacht, ein Produkt künstlicher Intelligenz zu sein. Ihre rasante Veröffentlichungsrate und die kaum nachweisbare Online-Präsenz haben Misstrauen geweckt. Ermittler bringen sie nun mit einem russischen Produzenten und einem Label in Verbindung, das auf virtuelle Popstars spezialisiert ist.

Die Rätsel um die Künstlerin vertieften sich, als nach ersten Nachforschungen eine Version ihres Profils verschwand – übrig blieb nur ein Avatar mit Afro-Frisur, der auf Streaming-Plattformen aktiv ist. Unterdessen werfen Branchenkritiker Plattformen wie Spotify vor, mit KI-generierter Musik Gewinne zu machen. Täglich werden Zehntausende solcher Titel hochgeladen.

Der Fall nahm seinen Lauf, als Internetnutzer ungewöhnliche Details über Sienna Rose entdeckten. Obwohl sie in ihrer Spotify-Biografie als "Geschichtenerzählerin des Herzens" mit "tief persönlicher" Musik beschrieben wird, gab es keine Live-Auftritte, kaum Spuren in sozialen Medien – und ihre Songs erschienen in atemberaubendem Tempo. Die Zweifel wuchsen, als Selena Gomez einen ihrer Tracks auf Instagram teilte und damit sowohl virale Aufmerksamkeit als auch Spott über Roses Authentizität auslöste.

Journalisten des Bayerischen Rundfunks vom Team Trasherchiert recherchierten weiter und verfolgten ihre Spuren bis zu einer russischen IP-Adresse. Sie deckten Verbindungen zu Nostalgic Records auf, einem Label, das sich auf KI-generierte Künstler konzentriert. Der Produzent, Maksim Muravjov, steht in Verbindung mit Hafsteinn Runarsson, einem KI-Experten, der für die Erschaffung virtueller Popstars bekannt ist und Kurse zum Vermarkten künstlicher Musik anbietet.

Als die Fragen zunahmen, verschwand die ursprüngliche Version von Sienna Rose mit roten Haaren aus den sozialen Medien. Nur das Profil mit der Afro-Frisur blieb auf Spotify erhalten. Laut Schätzungen der BBC verdienen ihre Macher wöchentlich über 2.000 Euro – hochgerechnet etwa eine Million im Jahr. Eine Studie von Deezer ergab zudem, dass 97 Prozent der Hörer KI-Musik nicht von menschlichen Aufnahmen unterscheiden können. Noch beunruhigender: 85 Prozent der Streams von KI-Künstlern sollen angeblich von Bots stammen.

Kritiker wie der YouTuber Rick Beato werfen Spotify vor, KI-Titel aus Profitinteresse zu fördern. Allein auf Deezer werden täglich rund 60.000 vollständig KI-generierte Songs hochgeladen. Doch klare Regeln zur Regulierung solcher Inhalte fehlen auf den Plattformen. In der Audiobranche wird zwar über Transparenz, Stimmrechtsschutz und Maßnahmen gegen Desinformation diskutiert, doch die großen Streamingdienste haben bisher keine verbindlichen Richtlinien umgesetzt.

Der Fall Sienna Rose zeigt, wie stark KI die Musikbranche bereits durchdringt – und wie wenig Kontrolle es gibt. Die plötzlichen Änderungen in ihrem Profil und die Verbindungen zu einem Label für virtuelle Künstler deuten auf einen künstlichen Ursprung hin. Angesichts der Kritik an Streaming-Plattformen, die KI-generierte Titel hosten, werden die Forderungen nach Regulierung immer lauter.

Vorerst bleibt Roses Musik verfügbar, ihre Macher verdienen weiter – und die Hörer streamen munter, oft ohne zu wissen, was sie eigentlich hören.

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