Humboldt Forum: Zwischen kolonialer Last und kultureller Neuorientierung
Michaele LindnerHumboldt Forum: Zwischen kolonialer Last und kultureller Neuorientierung
Das Humboldt Forum in Berlin ist zu einem Kristallisationspunkt der Debatten über Kolonialismus, Restitution und kulturelle Identität geworden. Im östlichen Zentrum der Stadt gelegen, beherbergt es unter seiner kreuzgekrönten Kuppel das Ethnologische Museum und das Museum für Asiatische Kunst. Trotz seines ambitionierten Anspruchs ringt die Institution auch fünf Jahre nach der Eröffnung noch um ihren Platz in der öffentlichen Diskussion.
Finanziert von wohlhabenden Spendern aus dem rechten Spektrum, wurde das Humboldt Forum als Hommage an preußischen Glanz konzipiert. Sein Programm widmet sich drängenden Themen wie dem Schwinden der Demokratie und globaler Ungerechtigkeit. Im vergangenen Jahr zählte es rund 634.000 Besucher – deutlich weniger als große Museen wie der Louvre, der jährlich etwa 13 Millionen Gäste verzeichnet.
Das Forum hat die Auseinandersetzung mit geraubter Kunst und kolonialer Gewalt beschleunigt. Performances wie Sarah Ama Duahs to build to bury to remember hinterfragen traditionelle Perspektiven, indem sie Objekte als autonome Körper präsentieren und sich so dem kolonialen Blick widersetzen. Dennoch besteht das Publikum vor allem aus Touristen, obwohl das Haus mit seinen anregenden Veranstaltungen auch ein lokales Publikum ansprechen will.
Kritiker werfen dem Forum vor, es wirke wie ein Fremdkörper in der Stadt – zu sehr dem Kolonialismus verhaftet, zu sehr ein Palast. Die Debatten im „Speakers’ Corner“ spiegeln diese Spannungen wider, etwa bei einer geplanten Diskussion über einen brasilianischen Fluss, der unter einem Einkaufszentrum verschwand und später als Denkmal im Forum wieder auftauchte.
Das Humboldt Forum bleibt ein Ort der Kontroverse, während es um seine Identität ringt. Seine Ausstellungen und Veranstaltungen setzen sich mit historischen und zeitgenössischen Fragen auseinander, doch Besucherzahlen und öffentliche Wahrnehmung bleiben ambivalent. Die Rolle der Institution in der Berliner Kulturlandschaft ist noch im Fluss.
