14 March 2026, 12:20

Düsseldorfs "fiftyfifty" kämpft ums Überleben – wie die Obdachlosen-Zeitung digital neu startet

Eine Schwarz-Weiß-Anzeige in einer Zeitung für die Bibliothek Portland, mit Text.

Düsseldorfs "fiftyfifty" kämpft ums Überleben – wie die Obdachlosen-Zeitung digital neu startet

Düsseldorfs "fiftyfifty"-Magazin – verkauft von obdachlosen Händlern – ist seit langem eine Überlebenshilfe für Menschen ohne Wohnraum. Es bietet die Möglichkeit, Geld mit Würde zu verdienen, und macht gleichzeitig auf das Thema Obdachlosigkeit aufmerksam. Doch nun steht die Publikation vor wachsenden Herausforderungen: Die Verkaufszahlen brechen dramatisch ein, während die Kosten steigen.

Die Auflage des Magazins ist stark zurückgegangen – von einst 40.000 auf weniger als 12.000 Exemplare pro Monat. Dieser Rückgang spiegelt einen bundesweiten Trend bei Straßenzeitungen wider: Mindestens fünf große Titel verzeichnen Verluste von 40 bis 70 Prozent. Gründe dafür sind die allgemeine Krise der Printmedien sowie eine zunehmende Feindseligkeit gegenüber den Verkäufer:innen, insbesondere gegenüber denen mit Migrationshintergrund.

Um sich anzupassen, hat "fiftyfifty" eine digitale Ausgabe unter dem Namen "fiftyfifty-ObdachLOS" eingeführt. Nach dem Prinzip einer Loskarte erhalten die Verkäufer:innen weiterhin die Hälfte des Verkaufspreises. Auch andere Straßenmagazine setzen auf digitale Formate, Crowdfunding oder Kooperationen mit Apps wie "Too Good To Go", um zu überleben.

Neben den Verkäufen finanziert sich das Magazin durch Spenden und eine Wohltätigkeitsgalerie, die soziale Projekte unterstützt. Es bleibt ein wichtiges Instrument der Interessenvertretung, deckt Missstände auf und kämpft gegen Diskriminierung. Für viele Obdachlose bedeutet der Verkauf von "fiftyfifty" nicht nur ein Einkommen, sondern auch ein Gefühl von Zugehörigkeit und Schutz.

Die jüngste Preiserhöhung von 2,80 auf 3,40 Euro spiegelt die gestiegenen Kosten wider. Dennoch sorgt die Präsenz des Magazins weiterhin für öffentliche Debatten und überbrückt die Kluft zwischen Verkäufer:innen, Leser:innen und Gesellschaft.

Die Zukunft von "fiftyfifty" hängt davon ab, Tradition und Innovation in Einklang zu bringen. Digitale Lösungen und Gemeinschaftsunterstützung könnten helfen, die sinkenden Verkaufszahlen auszugleichen. Bis dahin bleibt das Magazin eine unverzichtbare Ressource für Düsseldorfs obdachlose Bevölkerung und eine Stimme gegen Ungerechtigkeit.

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