Bayreuther Festspiele zwischen Aufarbeitung und Kritik an historischem Antisemitismus
Michaele LindnerBayreuther Festspiele zwischen Aufarbeitung und Kritik an historischem Antisemitismus
Das Bayreuther Festspielhaus steht wegen seines Umgangs mit historischem Antisemitismus in der Kritik. Michel Friedman warf der Organisation kürzlich vor, eine umfassende Aufarbeitung ihrer Vergangenheit zu umgehen. In den vergangenen Jahren hat das Festival jedoch Schritte unternommen, um diese Probleme anzugehen.
Bayreuth hat sich offen mit seinen Verbindungen zum Nationalsozialismus und Wagners Antisemitismus auseinandergesetzt. Gedenkstele und Symposien haben sich mit der Geschichte beschäftigt, während Bühnenproduktionen von Katharina Wagner, Stefan Herheim und Barrie Kosky das Thema direkt aufgriffen. Zudem veranstaltete das Festival Diskussionsrunden, darunter eine Gesprächsreihe mit Stephen Fry während des Ring-Zyklus in der Inszenierung von Castorf.
Jüdische Dirigenten wie Daniel Barenboim und Kirill Petrenko spielten eine zentrale Rolle bei der musikalischen Ausrichtung des Festivals. Dennoch wurde eine geplante Veranstaltung mit Michel Friedman zunächst abgesagt. Katharina Wagner begründete dies mit Sicherheitsbedenken, während Christian Thielemann angab, Gespräche hätten bereits vor über einem Jahr stattgefunden, ohne dass eine verbindliche Zusage erteilt worden sei.
Später entschuldigte sich das Festival bei Friedman. Die Veranstaltung mit ihm wird nun wie geplant stattfinden.
Die Bayreuther Festspiele haben konkrete Maßnahmen ergriffen, um ihr historisches und ideologisches Erbe aufzuarbeiten. Die Entscheidung, die Veranstaltung mit Michel Friedman doch durchzuführen, erfolgte nach öffentlicher Kritik. Die Institution bleibt damit bemüht, künstlerische Tradition mit historischer Verantwortung in Einklang zu bringen.






