Aktivistin schenkt umstrittene Gedichte von Kulturminister Weimer an Nationalbibliothek
Michaele LindnerAktivistin schenkt umstrittene Gedichte von Kulturminister Weimer an Nationalbibliothek
Die Aktivistin Martha Root hat der Deutschen Nationalbibliothek eine umstrittene Gedichtsammlung geschenkt. Das Buch Kopfpilz stammt aus der Feder des heutigen Kulturministers Wolfram Weimer und erschien 1986. Roots Aktion lenkt den Blick auf Weimers frühes Werk und dessen Bedeutung für seine heutige Rolle in der Kulturpolitik.
Im Mai 2023 übergab Root ein Exemplar von Kopfpilz an die Bibliothek – verkleidet als pinkfarbener Power Ranger. Die Übergabe wurde gefilmt, und die Bibliothek benötigte Zeit zur Katalogisierung, wodurch die offizielle Freigabe des Buches verzögert wurde. Zudem digitalisierte Root die Sammlung und stellte sie auf Archive.org online, sodass sie nun kostenlos abrufbar ist.
Die Gedichte in Kopfpilz, darunter Vorfreude und Unglück, werden von Root als Beispiele für eine „Vergewaltigungskultur“ kritisiert. Sie wirft Weimer vor, sich nicht mit seinem Frühwerk auseinanderzusetzen – besonders problematisch angesichts seines Einflusses auf die aktuelle Kulturpolitik. Root, bekannt für ihr aktivistisches Engagement, hatte zuvor auf dem Chaos Communication Congress die rechtsextreme Dating-Plattform White Date infiltriert.
Nun plant sie, ein physisches Exemplar des Buches zu versteigern – der gesamte Erlös soll an die Initiative Lesen Hilft gehen. Weimers Ministerium hatte zuvor Kürzungen bei Bibliotheksausbauten damit begründet, dass physische Medien im digitalen Zeitalter nicht mehr essenziell seien.
Die Schenkung und Digitalisierung von Kopfpilz haben Weimers frühes Schaffen erneut in den Fokus gerückt. Roots Aktionen verdeutlichen die Spannung zwischen den frühen Werken des Ministers und seinen heutigen Verantwortungen. Die Versteigerung wird die Debatte weiter öffentlich machen und gleichzeitig ein Leseförderprojekt unterstützen.






